Hund entlaufen – was nun?

Hier stellen wir dir wichtige Informationen und eine Checkliste vor, damit du für den Ernstfall, den wir natürlich niemand wünschen, gewappnet bist. Kommt es wirklich zum Supergau für Frauchen und Herrchen, ist es doch noch etwas angenehmer, wenn man auf hilfreiche Tipps, Notfallnummern, Plan A und B zurückgreifen kann. „Mir passiert das nie!“ und „Das hat er noch nie gemacht!“ Oh doch, irgendwann erwischt es fast alle Halter. Und irgendwann macht jeder Hund irgendwas zum ersten Mal. Aber alle Arbeit an der Bindung zum Hund, alle Voraussicht und alle Vorsicht, sind nicht immer genug. Der plötzliche Schuss beim Spaziergang über Wiesen und Felder, der Knall einer Fehlzündung, das Zusammenkrachen zweiter Autos. Alltagssituationen können immer zur Ausnahmebelastung führen. Auch dann, wenn der Hund normalerweise kaum schreckhaft ist.

Hier die Checkliste für den Ernstfall:

  • Verständige Bekannte, Verwandte und die Gassigänger in deiner Gegend
  • Benachrichtige Tierheime, Polizei, Tierärzte und Tierkliniken, die Straßenmeisterei und die Jagdpächter
  • Melde deinen Hund in den Social Media und bei der Stelle, wo der Chip registriert ist, als vermisst
  • Erstelle ein Suchplakat und beachte, dass alle wichtige Info darauf enthalten ist
  • Hänge die Plakate gut sichtbar auf und verteile sie zusätzlich noch bei Tierärzten
  • Telefoniere alle bereits informierten Stellen nochmals nach, damit die Suchmeldung sicher beachtet wird
  • Starte bei Angsthunden auf keinen Fall eine groß angelegte Suchaktion auf eigene Faust
  • Berate dich rechtzeitig mit Fachleuten und ziehe zur Suche den Profi hinzu
  • Ist der Hund wieder da, sag das allen benachrichtigten Stellen und hänge die Suchplakete wieder ab

Sichere deinen Hund richtig!

Unerwartete Probleme kann es vor allem mit Hunden aus dem Tierschutz geben. Meist verändern sie ihr Verhalten nach wenigen Wochen der Eingewöhnung, nicht immer zum Positiven. Sie erwachen aus einer Art Starre, alte Verhaltensmuster brechen auf. Oft wurde auf Hunde aus dem Süden geschossen, vielleicht tragen sie sogar frühere Verletzungen in sich. Für all diese Hunde – wie generell auch für alle Angsthunde – gilt: Doppelt hält besser. Ein gutes, breiteres Halsband, das auf keinen Fall bei plötzlichem Ruck einschnüren darf, ein ausbruchsicheres Geschirr, das möglichst an drei Punkten des Körpers (Brust, Brustkorb und Lendenbereich) geschlossen werden kann. Und eine stabile Leine, deren Karabiner sich nicht durch einen heftigen Zug öffnen kann. Es hilft auch, die Leine länger zu wählen, damit sie nicht in der Hand gehalten werden muss, sondern quer über den eigenen Oberkörper oder die Taille getragen werden kann. So rutscht sie auch dann nicht weg, wenn Hund – und womöglich der Halter – erschrecken. Ganz besonders wichtig ist es auch, den Vierbeiner bei Autofahrten gut zu sichern. Sehr viele Tiere rennen nach einem Unfall fort und verkriechen sich, vor allem, wenn sie verletzt wurden. GPS-Systeme – aktuell im Halsband – für Hunde sind immer mehr im Kommen. Ihn per Handteil oder App fürs Handy orten zu können, bedeutet eine unschätzbare Hilfe.

Denk an den Chip und vergiss die Registrierung nicht!

Viele Hund sind bereits gechipt, vor allem die von Tierschutzorganisationen. Immer wieder liest man aber, dass aufgefundene Hunde zwar einen Chip tragen, aber keine dazu gehörende Registrierung ausgemacht werden kann. Man sollte sich aber bei Übernahme des Hundes versichern, dass der Chip auch bei einer Datenbank, die von hier aus eingesehen werden kann, registriert ist. Oft ist dies nicht der Fall, dann muss hier nachgechipt werden. Aber auch, wer hier beim Tierarzt seinen Hund kennzeichnen lässt, sollte unbedingt daran denken, dass der Tierarzt seinen Job damit erledigt hat. Die Chip-Nummer bei einer Datenbank wie Tasso zu melden ist in der Regel Aufgabe des Halters. Die Eintragung ist dort gratis, eine Spende als Gegenleistung wird aber gern gesehen. Mache auch rechtzeitig immer wieder ein Foto von deinem Hund, das ihn gut zeigt, so kannst du nicht nur dein Album damit schmücken, sondern hast im Notfall sofort eins zur Hand. Notiere dir unter Bildinformation Gewicht und Schulterhöhe, so kannst du jederzeit auf die Info zurückgreifen. Diese Angaben sind sinnvoll für Suchmeldungen, denn Fotos können täuschen.

Plötzlich war er weg – atme erst mal tief durch!

In der Dämmerung ist es passiert, ein Knall, und der Hund rennt in Panik davon. Oder er schnüffelt im freien Gelände auf einer Fährte, oft reicht schon eine kurze Unaufmerksamkeit und man hat den Vierbeiner aus den Augen verloren. Ist er nicht binnen weniger Minuten wieder da, kann man über Handy gleich mal Bekannte und andere Gassigänger informieren. Wenn man im eigenen „Revier“ unterwegs war, kennt und trifft man andere Halter. Die gleich zu bitten, die Meldung weiterzugeben und die Augen aufzuhalten ist eine erste Maßnahme. Ganz wichtig: Ein Familienmitglied oder Freund sollte immer telefonisch erreichbar sein, damit Meldungen entgegengenommen werden können. Die meisten Ausreißer kehren nach kurzer Zeit zurück. Ist das nicht der Fall, muss man nicht vom Schlimmsten ausgehen. Oft kommt es auch vor, dass sich ein Hund mit Leine, Halsband oder Geschirr im Gestrüpp verheddert und deshalb nicht gleich wieder auftaucht. Viele Hunde melden sich dann per Bellen, das man übrigens auch super mit Hörzeichen wie „Gib Laut“ antrainieren und in solchen Fällen gezielt einsetzen kann.

Wer sollte informiert werden?

Ist der Hund nach einer Stunde noch nicht zurück, heißt es alle entsprechenden Einrichtungen und die Polizei zu verständigen. Wer sich hier gleich eine Liste mit den Telefonnummern von Tierheimen, regionalen Tierschutzorganisationen, dem eigenen Tierarzt, der örtlichen Straßenmeisterei gemacht hat und vor allem auch dem oder den Jagdberechtigten, kann diese der Reihe nach abarbeiten. Die wichtigsten Nummern können natürlich direkt ins Handy gespeichert werden. Ganz hilfreich sind auch Suchgruppen in den Internetplattformen oder über Apps. Am besten meldest du dich gleich dort an, wenn du dir einen Vierbeiner ins Haus holst. So musst du dich im Notfall nicht erst aufnehmen lassen, sondern kannst rasch die Suchmeldung einstellen. Vergiss aber nicht, alle die Genannten anrufen und anzuschreiben, wenn dein Tier wieder da ist. Auch im Internet solltest du das gut sichtbar machen, sonst irrt die Meldung unendlich lange durchs Web.

Was muss aufs Suchplakat?

Ganz klar: Zuerst der Hund! Ein großes „Gesucht“ kann man sparen, denn warum sonst sollte man so was aufhängen. Der Platz wird für wichtigere Informationen benötigt: Ein Bild vom Hund, das du aufgrund unserer Tipps ja schon auf deinem Rechner gespeichert hast. Hast du doch keines zur Verfügung, gib nicht nur die Rasse an, sondern beschreibe deinen Hund möglichst genau, nicht nur mit der Fellart und Farbe, sondern auch mit Größe und Gewicht, ob er Stehohren oder Hängeohren hat usw. Dann heißt es, wie bei einem Unfall, am besten die W-Fragen beachten. WO ist der Hund entlaufen, WANN war das. WIE ist es passiert WER soll verständigt werden. WAS gibt es für Zusatzinfos, die ebenfalls zu beachten sind. Hierzu gehören Angaben über besondere Kennzeichen, auch, ob der Hund krank ist und Medikamente benötigt, ob es ein Angsthund ist oder ob er vielleicht aufgrund eines Unfalls eine Verletzung davongetragen hat. Wenn es möglich ist, gib noch eine zweite Telefonnummer oder Anschluss mit abhörbarem Anrufbeantworter an, damit dich Nachrichten über deinen Hund sofort erreichen. Wenn du das Plakat folierst oder in eine Klarsichthülle gibst, ist es länger lesbar.

Ein, zwei Tage sind um, was nun?

Kein Grund zur Verzweiflung, aber Anlass, weitere Schritte zu gehen. Deine Suchplakate sind nun ja bereits bei allen Stellen und an allen Orten, wo sie viele Menschen erreichen. Das kann deine Tierarztpraxis sein, Publikumsplätze wie Bushaltestellen, Schulen, Sporthallen. Und natürlich alle bekannten Hundewiesen und Gassirouten. Sollte dein vierbeiniger Kumpel nach 24 Stunden noch nicht zurück sein, dann melde ihn bei der Registrationsstelle als entlaufen. Du kannst in den Social Media eine eigene Seite einrichten, damit du mehr Leute erreichst. Gehen schon erste Meldungen ein, dass der Hund gesehen wurde, kannst du eine Karte, beispielsweise von Google Map auf der Seite einstellen und alle Sichtungen markieren. So ergibt sich ein Bewegungsprofil, das dir hilft, deinem Hund zumindest auf der Spur zu bleiben.

Gehe alle Stationen noch einmal durch!

Frage regelmäßig an allen bekannten Stellen nach, auch bei der Bundespolizei, die für Bahnhöfe und Gleisstrecken verantwortlich ist. Kaum ein Hund ist darauf trainiert, dass er Züge als genau so gefährlich wie Autos erkennt. Dazu kommt eine oft höhere Geschwindigkeit, die der Hund nicht einschätzen kann. Eine schlechte Nachricht ist sicher nicht wirklich besser als keine Nachricht, aber selbst die schlimmste Antwort auf deine Fragen, wo der Hund nun ist, hilft dir letztendlich weiter. Vergiss auch nicht, die verschiedenen Tierheime und Kliniken nach zwei, drei Tagen nochmals anzurufen. Manchmal geht eine Suchmeldung unter. Denke daran, dass E-Mails und Privatnachrichten nicht nur dort, sondern womöglich auch bei dir im Spam-Ordner gelandet sein können. Auch wenn es dir schwerfällt einen klaren Kopf zu behalten, arbeite regelmäßig die Punkte auf der Checkliste durch.

Drei Tage um, jetzt brauchst du Hilfe!

Ganz wichtig: Handelt es sich bei deinem Hund um einen Angsthund, organisiere nie auf eigene Faust Suchtrupps. Damit würdest du ihn immer weiter vertreiben! Neben dem ganz natürlichen Verhalten, dass Hunde, die entlaufen sind, sehr schnell auswildern und immer weitere Kreise um den ursprünglichen Ort ziehen, würden fremde Menschen, womöglich mit fremden Hunden und laut rufend unterwegs, den Vierbeiner noch mehr einschüchtern. Unterschätze die Distanz nicht, die ein Hund zurücklegen kann. Bereits nach wenigen Tagen ist ein Radius von 25 km keine Seltenheit, das heißt, es sind 50 km im Umkreis, wo der Hund sich aufhalten kann. Einmal von einem Sichtungsort vertrieben, wird es ständig schwieriger, den Hund zu sichern. Setze dich mit erfahrenen Mantrailern und Pettrailern in Verbindung. Erkundige dich aber genau über Ausbildung, Erfolge und Vorgehensweise, nicht jeder, der seine Dienste anbietet, versteht wirklich etwas davon. Idealerweise hast du dich bereits früher ausführlich mit diesem Thema auseinandergesetzt und dir schon Links und Rufnummern notiert.

Dein Hund wurde gesichtet – was ist zu tun?

Schön, das ist ja schon eine erste Erfolgsmeldung. Nun heißt es erst recht, Ruhe zu bewahren! Du musst dir keine Sorgen machen, dass dein Hund verhungert, verdurstet oder erfriert, selbst Südländer, die erst kurze Zeit hier sind, wissen sich mit unseren Wintertemperaturen zu arrangieren. Wenn er sich bisher erfolgreich gegen die Gefahren im Verkehr oder durch für ihn gefährliche Tiere wie Wildschweine geholfen hat, wird er dies wahrscheinlich auch weiterhin können. Jede Hektik ist jetzt zu vermeiden. Berate dich mit wirklichen Fachleuten, ob eine offene Futterstelle Sinn haben könnte. Bist du dir zu unsicher, ob und wie du dies handhaben kannst, beauftrage lieber gleich den Profi damit. Eine vergebene Chance, den Hund wiederzubekommen, kann die letzte sein. Bitte auch alle Bekannten und Freunde, dass sie nichts auf eigene Faust unternehmen, jedes Vorgehen muss organisiert sein. Ist der Hund aufgrund schlechter Erfahrungen menschenscheu, sind doppelte und dreifache Vorsicht – und nun wirklich der Fachmann – angebracht.

Lebendfallen und Narkoseeinsatz, aber wie?

Die Nahrung an der freien Futterstelle wurde zwar regelmäßig angenommen, aber der Hund lässt sich trotzdem nicht einfangen. Nun gibt es immerhin eine weitere Möglichkeit. Mithilfe eines Mantrailers wird eine Lebendfalle aufgestellt. Dieser Einsatz ist nach dem Jagdgesetz genehmigungspflichtig und muss deshalb vom zuständigen Jagdberechtigten – den wiederum kann dir die zuständige Polizeidienststelle oder die Gemeindeverwaltung sagen – genehmigt sein. Auch hier sollte Nahrung gekonnt und dosiert eingesetzt werden. Nur ein hungriger Hund wird immer wieder dorthin zurückkehren. Wichtig ist, die Falle in der richtigen Größe zu wählen, nur so wird der Hund hineingehen. Scheut der Verbeiner davor, das Futter in der Falle anzunehmen, ist der Einsatz einer Distanznarkose vielleicht das letzte Mittel, den Hund doch noch zu bekommen. Hier ist zuerst dein Tierarzt hinzuziehen, denn er weiß um das Gesundheitsrisiko, das eintreten kann. Bestimmte Rassen wie Molosser sind durch die Brachycephalie, also die typische Kopfform, nicht unbedingt dafür geeignet. Auch Collie, Australien Shepherd und Border Collie sollten nur im letzten Notfall narkotisiert werden, da hier der MDR1-Defekt zum Tragen kommen kann. Also unbedingt abklären, ehe der Fachmann ans Werk geht!

Kollegiale Hilfe – der Suchhund auf der Spur!

Nachtsichtgeräte, Wärmesucher und Kameras: die technischen Möglichkeiten sind zum Glück vielfältig. Aber leider sind sie aber nicht so mobil wie der vierbeinige Kollege. Auch hier heißt es sich genau zu erkundigen, wer mit seinem Suchhund eingesetzt werden soll. Eine solide Ausbildung sollte nachgewiesen werden, denn auch hier kann mehr Schaden als Nutzen entstehen. Damit die Suche begonnen werden kann, braucht es einen Gegenstand, der unverfälscht nach deinem Hund riecht. Sein Lieblingsspielzeug, eine Decke, ein Geschirr oder Halsband. Dies kommt in eine neutrale, neue Tüte, am besten einen Gefrierbeutel, damit keine fremden Duftstoffe anhaften. Am besten wird an dem Punkt gestartet, an dem der Hund zum letzten Mal gesichtet wurde. Ein ausgebildeter Suchhund kann Duftmoleküle auch noch nach mehreren Tagen aufspüren, vorausgesetzt, das Wetter hat keinen Dauerregen beschert. Ein guter Pettrailer wird immer vorsichtig genug vorgehen, damit bei Sichtkontakt der Hund nicht verscheucht wird.   So, nun hoffen wir, dass du dieses Wissen niemals ernsthaft einsetzen musst. Dir und deinem Vierbeiner wünschen wir ein langes, ungetrübtes Zusammensein!